Daniel schlief noch oben und atmete schwer, wie schon seit dem Unfall. Mein armer Mann verließ kaum noch das Bett, und wenn doch, wirkte er wie von Geistern heimgesucht. Ich wollte ihn nicht wecken. Er schlief nachts kaum noch durch, geplagt von Schuldgefühlen und Albträumen, die ich nicht lindern konnte.
Ich hatte nicht die Kraft zu reden, also saß ich einfach nur da und starrte aus dem Fenster in den Nebel, der sich über den stillen Hinterhof gelegt hatte.
Dann hörte ich es.
Kratzen, kratzen, kratzen.
Es kam durch die Hintertür. Zuerst ignorierte ich es. Unser Hund Baxter hatte immer den Garten bevorzugt, wo er eine warme, isolierte Hundehütte auf der Veranda hatte. Er war Lilys treuer Begleiter, seit sie fünf Jahre alt war – ein Golden-Retriever-Mischling mit Augen, die ihm fast schon zu schlau waren.
Normalerweise bellte er, wenn er hereinkommen wollte, oder ein- oder zweimal, um mir zu zeigen, dass er Futter oder Aufmerksamkeit wollte, aber das war kein Bellen; es war Kratzen. Es klang panisch, verzweifelt und schrill.
Ich stand langsam auf, mein Herz klopfte schneller als sonst. Meine Nerven lagen seit dem Unfall blank. Auf Zehenspitzen schlich ich zur Tür, ein Gefühl der Unruhe stieg mir in die Kehle.
„Baxter?“, rief ich leise.
Das Kratzen hörte auf, aber nur für einen Augenblick. Dann stieß er einen einzelnen, scharfen Belllaut aus – die Art, die er nur benutzte, wenn etwas nicht stimmte. Ich erinnerte mich daran, als er ein verletztes Kaninchen gefunden hatte. Und auch daran, als Lily vom Fahrrad gefallen war und sich die Knie aufgeschürft hatte.
Ich schloss die Tür auf und öffnete sie.
Baxter stand da, mit aufgerissenen Augen, keuchend und die Ohren aufgestellt. Sein Schwanz war steif und wedelte nicht.
Und in seinem Mund war etwas Gelbes.
Ich blinzelte heftig. Mein Gehirn konnte nicht mit dem mithalten, was meine Augen sahen.
„Baxter… ist das…?“ Meine Stimme verstummte.
Er trat vor, legte vorsichtig das weiche, gelbe Stoffbündel vor meine Füße und blickte direkt zu mir auf.
Es war Lilys Pullover!
Dasselbe, das ich nicht mehr gesehen hatte, seit die Polizei es mitgenommen hatte.
Dasselbe Kleid, das sie trug, als sie starb!
Meine Beine gaben fast nach! Ich klammerte mich an den Türrahmen, um mich zu stabilisieren, mir stockte der Atem.
„Das… das ist nicht möglich“, flüsterte ich.
Ich bückte mich mit zitternden Händen, um es aufzuheben, aber Baxter schnappte es sich wieder.
„He?! Wo hast du das her? Gib das mir!“, sagte ich, Tränen brannten hinter meinen Augen.
Baxter bellte nicht und rührte sich einige Sekunden lang nicht. Er starrte mich nur mit diesen intelligenten, dringlichen Augen an und wandte dann abrupt den Kopf in Richtung Garten.
Dann ist er abgehauen!
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