Ich blieb lange so stehen und beobachtete sie einfach beim Atmen. Die Stille war nicht so bedrückend wie damals im Haus. Sie war nicht unheimlich – sie war friedlich und erfüllt.
Schließlich hob ich die Kätzchen nacheinander hoch und setzte sie in meine Arme. Die Mutterkatze folgte mir lautlos, als sie sich in meinen Ellbogen kuschelte. Baxter blieb dicht bei mir, fast stolz. Sein Schwanz wedelte immer heftiger, je näher wir dem Zaun kamen, als hätte er seine Aufgabe erfüllt und bräuchte nun meine Hilfe, um sie zu vollenden.
Ich habe sie alle nach Hause getragen.
Drinnen hatte ich es mir in einem Wäschekorb mit weichen Handtüchern gemütlich gemacht. Ich stellte ihn in die Ecke des Wohnzimmers, direkt neben den alten Sessel, in dem Lily sich immer so gern einkuschelte. Ich stellte eine Schüssel mit Wasser und etwas Thunfisch hin, und Baxter legte sich wie ein Wachposten neben den Korb.
Als Daniel später am Abend die Treppe herunterkam und sich langsamer als je zuvor bewegte, fand er mich zusammengerollt neben dem Korb mit den Kätzchen. Ich hatte Lilys Pullover zusammengefaltet auf dem Schoß.
Er starrte einige Sekunden lang schweigend, seine Augen weiteten sich, als er die Katze und ihre Jungen sah.
„Was… was ist das?“, fragte er mit trockener, unsicherer Stimme.
Ich blickte zu ihm auf, und zum ersten Mal seit drei Wochen verspürte ich nicht den Drang, vor Schmerz zu weinen. Ich fühlte etwas anderes – etwas Zerbrechliches und Hoffnungsvolles.
„Lilys Geheimnis“, sagte ich leise. „Sie hat sich um sie gekümmert. In dem alten Schuppen.“
Daniel blinzelte langsam, als hätte er die Worte nicht verstanden.
Ich erzählte ihm alles – von dem Pullover, von Baxter, dem Versteck und den Kleidern. Ich erklärte ihm, wie sie sich wohl heimlich hinausgeschlichen hatte, um dieser kleinen Streunerfamilie Wärme und Schutz zu bringen. Während ich sprach, veränderte sich etwas in seinem Gesichtsausdruck.
Der Schmerz verschwand nicht, aber die Dunkelheit in seinen Augen hellte sich ein wenig auf.
Mit großer Mühe kniete er sich neben mich, streckte die Hand aus und streichelte eines der Kätzchen mit dem Zeigefinger.
„Sie hatte wirklich ein riesengroßes Herz“, flüsterte er.
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